Was der Kunstmarkt gerne hätte – Künstler sind Affen

Was der Kunstmarkt gerne hätte – Künstler sind Affen

Chimpanzee congo painting

Abstrakte Kunst- an der Grenze künstlerischer Schaffenskraft? (Artist: Congo, no copyright)

Bilder dieser Sorte verkaufen Kunsthändler gerne für 10.000 Euro. Dieses Bild malte der Künstler “Congo” bereits im Alter von schätzungsweise 3 Jahren und selbst Picasso hatte ihn angeblich in seinem Atelier hängen. An der Ausdrucksstärke besteht kaum ein Zweifel, dennoch würdigte seine Zeit ihn kaum. Und auch heute noch tun sich viele Menschen schwer, abstrakte Kunst als Kunst anzuerkennen. Könnte nicht vielleicht auch die einsame Hausfrau (oder der einsame Hausmann) dieses Werk in einer Stunde sexueller Frustration auf`s Papier bannen? Die Kunstkritik selbst äußert sich vom Künstler überzeugt:

“Tupfer, Farbkleckse und eine ausdrucksstarke Pinselführung zeugen vom Selbstbewusstsein eines Künstlers. Hinzu kommen die impulsiven Kontraste, ausgelöst durch forsche Farben. Drohend, schnell und voller Energie wächst dieses undefinierte Gebilde in Richtung oberer Blattrand und zwingt den Rezipienten zum Zurückweichen. Als würde es uns wie eine Raubkatze entgegenspringen, anspringen und mit seinen dunklen Armen gefangen nehmen, so hat der Künstler hier sein Innerstes wie einen explodierenden Stern vor uns ausgebreitet. Das Rot im Zentrum bildet einen kräftigen Kontrast zum Äußeren Blau, aus dem es hervorragt. Das Schwarz hingegen bildet wiederum einen kräftigen Komplementärkonrast zum hauchzarten Weiß, welches selbst lockerleicht auf dem Blau schwebt. Sensibilität gepaart mit Intensität zeugen von künstlerischer Energie. (Eisleben, A.: Von der Kunst ein Künstler zu sein. Marburg, Hanser Verlag 1962:52)”

Auch wenn diese Kritik voller Überschwang schon damals fabuliert, brachten die Gemälde dem jungen Künstler damals wenig Ruhm und Ehre. Im konservativen Milieu der 60er verhöhnte die Gesellschaft seine Kunst und lehnte derartige Exzesse der “Farbenkleckerei” schlichtweg ab. Im Juni 2005 allerdings verkaufte das Londoner Auktionshaus Bonham wieder drei Gemälde des Künstlers Congo für mehr als 14.400 Pfund. Leider lange nach seinem Tod. Congo als junges Naturtalent, starb bereits im Alter von 10 Jahren. Was wäre wohl aus ihm geworden? Womöglich hätte er einen Jason Pollock noch bei Weitem in den Schatten gestellt und ihm sein Publikum gestohlen. Congo malte nur im Alter von 2-4 Jahren, danach rührte er keinen Pinsel mehr an.

War Congo vielleicht zu jung für den Kunstmarkt? Bald schon erklärten Kunstgutachter seine Werke als kunstlos, da es diesen vor allem an Bewusstheit des Künstlers ermangelte. Nach Angaben seiner Fans aber malte Congo niemals über den Bildrand seiner Werke hinaus und wusste speziell, wann ein Bild fertig sei. Und hatte nicht auch Jason Pollock für seine Kunst des Action-Paintings genau jenes Unbewusste proklamiert? Pollock sagte: “Wenn ich mitten im Malen bin, gebe ich mir keine Rechenschaft mehr über das, was ich tue.” (Quelle: Spiegel). Bei Pollock war Kunst zugleich auch Befreiung vom Denken, was zumindest einige Künstler als Gefühlsmenschen eisern propagieren. Im Falle von Congo aber treffen wir wohl auf einen anderen Sachverhalt: Da Congo ein Affe war, haben wir es wohl vor allem mit der Hybris des Menschen bei der Beurteilung künstlerischen Schaffens zu tun. Kann ein Affe Kunst produzieren?

Monkey in Nepal (www.kunst-und-gedanke.de)

Wer darf Kunst produzieren? (Ein Bild von meiner Reise in Nepal.)

 

Offenbar schreiben wir nur der mystischen Seelenkraft des Menschen, die Möglichkeit zur Kunst zu erschaffen. Kunst kann kein bloßes Spiel der Emotionen und reflexbedingten Ausführungen sein. Es ist kein Spiel der Natur mit sich selbst, sondern folge einem metaphysischen Ideal. Dem Künstler reicht für sein Schaffen als Belohnung daher auch keine Banane, sondern die Kunst drängt aus dem Innersten seiner Menschenseele.

Vielleicht aber negiert gerade auch ein Affe diese Kunstauffassung. Immer wieder werden Fälle bekannt, in denen Kunstkritiker eben auch die Werke von Affen als Kunst anerkennen, wenn ihnen zuvor nicht gesagt worden ist, dass es sich um Affenkunst handelt. Die Frage also, was Kunst überhaupt sei, kommt hierbei zur Disposition.

Monkey mother and Child in Nepal (www.kunst-und-gedanke.de)

Der Blick ist hinauf zu den Sternen gerichtet- ob Affen wohl an den Sternstunden der Kunst teilhaben werden? (Ein weiteres Bild meiner Reise in Nepal.)

 

Interessant ist auch, dass die Werke von Congo gemeinfrei publiziert werden dürfen, da sie nach Urheberrecht schlichtweg nicht geschützt sind, denn um einen Urheber handelt es sich nicht. Auf der anderen Seite finden wir Kunstwerke, die schon bei der Betrachtung eine weitaus geringere Fallhöhe haben. Künstler, die sich selbst als lebendiges Kunstwerk ausstellen, Duchamps, der in New York Pariser Luft verkaufte oder schlicht Künstler, die ihre Exkremente abfüllen und dafür gutes Geld kassieren. Die Pluralisierung unseres Kunstbegriffs schreckt also doch davor zurück, Kunst auch hinter dem Affenauge oder gar in Maschinen zu vermuten. Zumindest wehrt sich hier ein Kunstmarkt, der sonst die Freiheit der Kunst gerne propagiert, zuletzt aber nur den Schutz einer lukrativen Branche im Auge hat.

Im Gegenzug sollten wir nicht davor zurückschrecken, den pluralisierten Kunstbegriff zu hinterfragen und auch die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft auf die Probe zu stellen. Mit dem Zuspruch, dass Menschen schlicht Kunst machten und Affen nicht, ist es zumindest nicht getan. Hätte beispielsweise ein Computer ein Werk von Pollock nach Zufall produziert, wir hätten es nicht unterscheiden können, nur eine Verwertungsindustrie hätte irgendwann den Künstler geschützt.

Veronika

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