Die Kunst der Architektur – Von physikalischen Zwängen befreien

Die Kunst der Architektur – Von physikalischen Zwängen befreien

In der Kunst gab es mit der Entbindung von Materialzwängen einen Urknall der Expression. Auch die einseitig finanzielle Förderung von Künstlern unterstützte, dass Künstler plötzlich ganze Farbeimer gegen Wände klatschten oder gar Geld verbrannten. Die Architektur hinkte naturgemäß, an Sachzwänge des praktischen Nutzens und der Statik gebunden, hinterher. Dennoch haben Ingenieure einen Minderwertigkeitskomplex, so dass sie versuchen, Sachzwänge nach und nach zu verringern. So bauen wir Menschen immer höhere und immer schiefere Türme. Ob dies für Gesellschaften moralisch tragbar ist, die sich einerseits nicht das Brot für den gezwungenen Hungerkünstler aus Afrika leistet, steht auf einem Papier, das wir in den Giftschrank “Kommunismus” gesperrt haben. Bedenkenlos entstehen ganze Paläste und Hochbauten, die von der menschlichen Kunst berichten sollen, alles irgendwie bezahlen zu können. Der Kingdomtower in Abu Dabi soll dann beispielsweise viermal so hoch wie das Empire State Building werden und zweimal so groß wie das derzeit höchste Gebäude der Welt sein. 12 Minuten dauert eine Fahrt in den obersten Stock. Kostenpunkt: 860 Millionen Dollar.

Aber das noch größere Gebäude soll in Baku entstehen. Dort will man natürlich die Wolken noch etwas intensiver kitzeln, indem auf den Tausendmeter schlicht nochmal 50 Meter draufgesetzt werden. 50 Meter, das entspricht einem größeren Hochhaus in einer deutschen Stadt, kostet aber dann auch mal gleich 1 Milliarde mehr. Das Hochhausareal drum herum soll es dann auf 100 Milliarden bringen. Hiermal der Link zum Video (http://www.youtube.com/watch?v=Uy2yE3fEsYk&feature=player_embedded). Die Ausgaben entsprechen dann ca. einem Drittel der deutschen Bundesausgaben. Warum der arabische Staat dieses Geld nicht eher in Bildung investiert, bleibt ein Rätsel. Doch nicht allein in der Höhe liegt die Kraft menschlichen Schaffens. Auf der anderen Seite der Erde lagert schließlich das Erzeugnis menschlicher Übertreibung. Nach einem Interview mit dem japanischen Diplomaten Matsumura könnte Fukushima doch noch das Ende des gesamten Lebens auf der Erde bedeuten. Dies würde dann bedeuten, dass die Tower einsam in den Himmel ragen.

Aus einer ausführlichen Darstellung des Kopp-Verlages geht hervor, dass einige Experten von einer 85-fachen Freisetzung der Menge von Tschernobyl ausgehen, was schlicht den Untergang der Zivilisation bedeuten würde. Folgendes Zitat lässt sich dort finden:

»Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass das Schicksal Japans und der gesamten Welt jetzt von Reaktor Nr. 4 abhängt.« – Mitsuhei Murata, ehemaliger Botschafter Japans in der Schweiz und im Senegal, Direktor der Japan Society for Global System and Ethics.”

Die ungeheuren Milliarden, die wir nun für irgendwelche Wüstenstaaten verfeuern, sollten sich doch eigentlich in einem weltweiten UN-Fonds befinden, wonach dieses Gebäude 4 stabilisiert werden würde oder was weiß ich… Stabilität im Schaffen war wohl noch nie Stärke des menschlichen Denkens. Langfristigkeit auch nicht. Sei es drum, geboren um zu genießen, hat sich die Kunst von den schweren Gedankenansätzen befreit. Wir sind schließlich Gefühlsmenschen. Diese Form der Befreiung soll auch in der Architektur Einzug finden und so haben wir mit Frank Gehry natürlich einen Archtitekten, der auch die sachgezwungene Architektur in die Bahnen menschlicher Freiheit verbiegen möchte. Architektur sollte so wohl in Zukunft weniger pragmatisch sein, als vielmehr ein Werk, das ebenso der menschlichen Freiheit entspringt. In Zukunft soll also vor allem Architektur verbogen werden:

Disney Concert Hall by Carol Highsmith (Public Domain)
Disney Concert Hall by Carol Highsmith (Public Domain)
Beekman Place New York Emmett hume CC_by
Beekman Place New York Emmett hume CC_by

Doch bei allen Sachzwängen verbleibt auch die Architektur eines Gehrys pragmatisch. Die einseitigen Nutzungsinteressen der finanzierungswütigen Konsumenten bestehen. Es bleibt zu vergleichen, ob die Bauten emsiger Ameisen oder Termiten mehr künstlerische Finesse an den Tag legen als menschliche Architektur, die dann doch bei der Egonutzung verbleibt. Bei List25 könnt ihr eine Liste mit den angeblich schönsten Skylines der Welt finden, wo ihr dann vielleicht angemessene Vergleichspunkte zur Auswahl habt. Sind Städte Kunst? http://list25.com/the-25-most-beautiful-skylines-in-the-world/

Norman

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